Arbeitsutensilien einer Autorin

Wenn ich in einem Gespräch erwähne, dass ich Autorin bin, höre ich immer zuerst den Satz: „Das stelle ich mir total gemütlich vor.“ Sofort kommt mir das Bild eines gemütlichen alten Mannes, der hinter einer klapprigen Schreibmaschine sitzt und nebenbei ein Gläschen Wein trinkt. Interessanterweise mag ich diese Vorstellung des romantischen Autors. Wenn ich mir eine Krankenschwester vorstelle, sehe ich auch überall nur Blut und bei Friseuren sehe ich seltsamerweise auch nur Blut – habt ihr gesehen, wie scharf ihre Scheren sind???

Nun, ich muss euch leider enttäuschen, das Autorenhandwerk ist weniger gemütlich, als man es sich vorstellt. Ich stelle euch vor, welches Werkzeug ich für meine Bücher benutze.

Meine Schreibmaschine

Angefangen habe ich mit einem Laptop, der schon zu seiner Zeit nicht so toll war. Zu schwer, zu laut, zu heiß, zu wenig Akkulaufzeit und zu langsam. Darauf hatte ich aber in meiner Unizeit sogar noch Fotomontagen machen können, also gingen auch alle Textprogramme. Auf dem PC wollte ich zu der Zeit nicht schreiben, ich glaube das Ding hatte ich gar nicht erst in meine Studentenbude mitgenommen, aber so genau erinnere ich mich nicht mehr daran, ich weiß nur, der alte Laptop war damals aktuell.

Später habe ich mir ein kleines Netbook geleistet, zu jener Zeit enormes Geld für mich, umso erschreckender war es, dass es nicht so gut funktioniert hat, wie ich es wollte. Es war so lahm – selbst bei Textprogrammen. Ins Internet konnte ich damit so gut wie nie reingehen, das hat kaum die Seite aufgebaut. GRAUS! Trotzdem habe ich es etwa fünf Jahre ausgehalten und habe das Internet nebenbei immer mit meinem Tablett oder dem Handy benutzt und auf dem Netbook nur geschrieben. Was recht gut war; weniger Ablenkungen. Jetzt nutzte ich das kleine Ding nur, wenn ich unterwegs bin.

Während der ganzen zeit habe ich mit einem Ultrabook geliebäugelt, aber ich bin froh, dass ich da gewartet habe, denn damals gab es die nur mit Win 8 und das habe ich gehasst. Jetzt mit Win 10, ist es besser. Seit ein paar Monaten habe ich das gute Stück endlich und bin super zufrieden! Es ist schnell, erlaubt mir einen stabilen Internetzugang und vor allem ist es leicht und leise – es sei denn ich schalte meine Musik an 😀

Meine Tinte – Software

Ich habe in meiner Schreibentwicklung so viele verschiedene Programme ausprobiert. Alles, was es damals gab, hatte ich installiert und war einfach nicht zufrieden, bis ich mir endlich den Papyrus Autor gekauft habe. Zur Auswahl stand auch noch der Scrivener, aber mich hat die Deutsche Dudenkorrektur des Papyrus einfach mehr überzeugt.

Mein bequemer Sessel

Eine kleine Ewigkeit habe ich nach dem perfekten Schreibsessel gesucht und … habe ihn nicht gefunden. Ich habe mir zwar einen Sessel zum Schreiben gekauft und sitze auch sehr oft darin, aber ich finde es anstrengend, nur an einem Platz zu schreiben. Ich wechsle an einem einzigen Schreibtag mehrfach meine Position. Erstens weil mein Körper müde wird vom einseitigen Sitzen, zweitens brauche ich immer mal einen Tapetenwechsel, weil ich ja von zuhause arbeite und keinen Arbeitsplatz in dem Sinne habe. Ich hüpfe sozusagen von meinem Sessel zum Schreibtisch eins, wechsle dann auf meine Couch, lande dann an meinem zweiten Schreibtisch, dann vielleicht mal ins Bettchen und wenn ich mal keine Lust habe auf mein zuhause, schnappe ich mein Netbook oder meinen Block und gehe in die Bibliothek oder in den Park. Und wenn ich auf Reisen bin, kann ich auch unbequem im Zug oder Bus schreiben.

Mein Papier – Tools

Ich kann mich nicht von meinem Papier trennen, noch immer schreibe ich sehr viel in Notizblöcke, aber das hat damit zu tun, dass ich Notizbücher liebe. Es gibt so viele mit einem schönen Design. Außerdem kann ich mich besser meinem Kopfkino hingeben, wenn ich mit der Hand schreibe. Allerdings gehe auch ich mehr und mehr vom Papier weg.

Notizen versuche ich mit meinem Handy zu erfassen, das erleichtert die Digitalisierung und darum geht es ja: Zeitersparnis. Ich habe eine Zeit lang mit Evernote gearbeitet, aber das war nicht so meins, heute nutze ich eher Trello, weil man da besser organisieren und sortieren und große Projekte anlegen kann. Vor ein paar Tagen habe ich mir wieder OneNote angelacht. Das habe ich früher gern genutzt, aber mir hat immer die Synchronisierung mit dem Internet gefehlt.

Meine Zeit manage ich übrigens mit der Wunderlist. Diese App ist für mich heute aktuell, aber ich hatte schon so viele verschiedene ToDo-Systeme und Kalender ausprobiert. Und ich denke, wenn ich demnächst auf ein anderes System stoßen sollte, das mir mehr gefällt, steige ich wieder um. Vermutlich ist es sogar schon der Fall, denn seit über einem Jahr führe ich ein Bullet Journal. Das frisst zwar viel Zeit, macht mir aber mehr Spaß, weil es ein Tagebuchcharakter hat – bin eben nur ein Mädchen. Eigentlich ist es egal, welches System man hierfür nutzt, denn man sollte die Disziplin aufbauen, sein Leben nach einer ToDo-Liste zu organisieren. Ich brauche das, weil ich die Angewohnheit habe, mich nur in einer Sache zu verlieren und die anderen Aufgaben links liegen zu lassen. Eine gute ToDo-Liste ist deswegen Pflicht für eine Selbstständige.

Ein sehr wichtiges Tool, das ich gerne nutze ist eine Pomodoro-App. Es gibt verschiedene Entwickler dafür, und alle diese Apps funktionieren nach dem berühmten Pomodoro-System. Das ist eine coole Methode, bei der man seine Arbeitszeit fokussiert. Funktioniert natürlich auch mit der Eieruhr. Egal wie man Pomodoro anwendet, ich liebe diese Technik einfach nur! In den kurzen Pausen erledige ich stückchenweise meine Hausarbeit oder mache Dehnungsübungen für meinen Rücken.

Nicht zu vergessen ist auch eine gute Cloud, die zwischen den einzelnen Rechnern den Datentransfer ermöglicht. Ich arbeite mit zwei verschiedenen. Zum einem ist da die Dropbox, die für mich am unkompliziertesten ist, weil sie alle Daten sofort überträgt. Meine zweite Cloud ist Google Drive. Das nutze ich aber, um meine Textbausteine zwischenzulagern, solange ich nicht weiß, was ich mit ihnen anfange. Das könnte ich auch in Datein ablegen, aber dann müsste ich den Überblick behandeln, auf welchem Rechner oder welchem Datenträger ich es abgespeichert habe.

Mein romantisches Ambiente

Wie die meisten Frauen, liebe auch ich Kerzen. Allerdings liebe ich Katzen noch mehr. Katzen und Kerzen sind von Urzeiten schon Feinde, deswegen mache ich keine an. Meine romantische Schreibatmosphäre besteht aber nicht nur aus schnurrenden Fellknäulen.

Ich bin ein riesengroßer Fan von Musik. Ich kenne so viele Musikrichtungen und entdecke jede Woche eine neue. Ich liebe meine Entdeckungen. Bei mir ist fast rund um die Uhr Musik an, auch beim Schreiben. Ich nutze Spotify, manchmal auch YouTube, weil vor allem unbekannte Bands auf Spotify nicht vertreten sind. Dabei stelle ich immer die Musik ein, die zu den anstehenden Schreibszenen ganz gut passen. Es muss nicht immer nur Musik ohne Gesang sein, solange es keine Sprache ist, die ich eindeutig verstehe und die mich ablenkt. Also keine deutschen oder russischen Songs. Englisch verstehe ich nicht so gut, da irritiert mich das nicht.

Wenn ich Gestalte, schaue ich mir Serien an, so als Abwechslung – vor allem im Winter. Traditionel buche ich mir dann ein paar Monate lang Netflix 🙂 Frühjahr bis Herbst nutze ich Netflix nicht, weil das süchtig macht und mich sehr vom Schreiben ablenkt.

Mein Wein

Ich kann mir gar nicht vorstellen, welchen abgedrehten Schwachsinn ich zusammenschreiben würde, wenn ich beim Schreiben jedes Mal Wein trinken würde. Ich begnüge mich dann doch lieber mit ein paar Litern Kaffee – was sonst!

Meine Farbpalette

Zu meiner Autorenaufgaben gehört auch das Gestalten meiner Buchcover und Marketingelemente. Dazu nutze ich vorwiegend meinen Rechner (manchmal mein Notebook), mein Grafiktablett und meine geliebten Adobe-Programme, wie Photoshop, InDesign und Illustrator. Seit neuestem versuche ich mich in den Affinity-Programmen, muss aber noch viel lernen.

Meine Pfeife

Auch wenn Pfeifen super hübsch aussehen und es gut aussieht, wenn so ein alter Mann mit grauem Bart sie raucht, aber das gehört ganz sicher nicht zu meinem Schreiballtag – es sei denn ich schreibe eben über diesen grauen Mann mit Pfeife. Ich habe aber statt dem Rauch eine andere Sache, die meine Lungen einstaubt: die Schnellstraße vor meinem Fenster. Ich komme mit dem Staubsaugen gar nicht hinterher 🙂

 

Fazit

Mein Autorenleben ist zwar nicht gerade gemütlich und nicht so romantisch, wie es sich viele vorstellen, aber ich liebe es so wie es ist. Ich habe meine Freiheiten, meine Zeiten selbst zu organisieren und ist das nicht schon romantisch genug?

Jetzt seid ihr dran. Erzählt doch mal wie euer Arbeitsalltag aussieht und gegen welche Vorurteile werden eurem Berufszweig entgegengebracht? Hinterlasst mir einen Kommentar.

I. Reen Bow


Fotos: Pixabay.com

By | 2017-08-15T21:54:58+00:00 August 15th, 2017|Autorenleben, Blog, Hinter den Kulissen|0 Comments

About the Author:

Ich komme aus der sächsischen Stadt Chemnitz. Bin eine Künstlertochter und schreibe leidenschaftlich gern Fantasy.

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